Freitag, 1. September 2017

Top 10 Tipps zur Reduzierung von Abfall

"Top 10 Tipps" ... Toller Titel, oder? 
Um nicht zu sagen: Der Titel ist click-bait. Da klickt man gerne drauf, und nicht selten wird man enttäuscht, weil man zu wenig pragmatisch Anwendbares liest. 

Das will ich hier anders machen.

Vor den Top 10 kommt meine Sicht auf die Haltung: „wozu Abfall vermeiden“ und „was ist das Ziel“ ist mir genauso wichtig wie das „wie“.  Denn Abfall ist Teil der komplexen Themen Umweltschutz oder Nachhaltigkeit, und da liegen einfache Lösungen oft mal komplett daneben.

Bild: pixabay / Hans 


Diesen Blog-Eintrag schreibe ich, weil mich ein Bekannter aus einem Startup nach meinen 10 besten Tipps zur Abfallreduzierung fragte. Ich denke das interessiert die Blog-Leser auch. Wegen der ursprünglichen Zielgruppe ist mein Schreibstil hier weniger förmlich - ich denke das passt nicht nur für Startups.




Wozu: Motivation zur Abfall-Reduktion

Was macht man mit so einer Liste von Top 10 Tipps? Sich den „einfachsten“ Punkt aussuchen und dann die Aufgabe Abfallvermeidung abhaken? 

Das hängt von der Motivation ab.

Ist die Motivation das Umwelt-Gewissen? Der Welt-Verbesserer allgemein? Geht’s um Kosten sparen? Alle Motive haben ihren Wert, und meist ist mehr als eines dabei. Bei den Kosten ist das Messen der Wirksamkeit am einfachsten, für’s Gewissen reicht es vielleicht schon die Papiertüte statt der Plastiktüte zu verlangen. Damit wären die Schnell-Leser mit diesem Artikel auch schon durch... 

Wenn es wirklich ernst ist, und der Wunsch dahinter ist mehr Umwelt-Verantwortung zu zeigen, dann ist die Frage auch: geht’s nur um Abfall? 
Das ist nämlich ein kleiner Ausschnitt aus den großen Kapiteln Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Wenn man die Zusammenhänge ausblendet, kann man auch das Falsche optimieren – das typische Beispiel ist E10-Sprit der in Deutschland fossiles CO2 spart und in Südamerika Regenwald und Ackerland für Lebensmittel kostet.

Um wessen Motivation geht es? Wer soll etwas tun? Wünscht der Chef, dass weniger Abfall entsteht, dann empfehle ich
  •  Vorbild sein: mit guten Beispiel voranzugehen
  • Offenheit: Um was geht es,  warum ist es dem Chef wichtig
  • Betroffene einbeziehen: Gemeinsam zu schauen, was allen wichtig ist und was machbar ist
  • Stufenweise vorgehen: das Wichtigste oder Einfachste zuerst, die Wirksamkeit messen, und notfalls anpassen. Die nächsten Themen kommen danach dran.



Was ist das Ziel?

Abfall ist ein Teil der Bemühungen, mit Rohstoffen sorgsam umzugehen. Sorgsam heißt, nicht mehr zu verbrauchen als da ist, und den gesamten Lebenszyklus und den gesamten Zusammenhang zu betrachten.

Was bedeutet Lebenszyklus? 

In jeder Phase wie Herstellung, Nutzung und Entsorgung eines Produkts braucht es Energie, Wasser und natürlich Rohstoffe. Und es geschehen Eingriffe in die Natur. Und neben der ganzen Umwelt wollen wir nicht vergessen, dass es auch darauf ankommt, wie man mit den Menschen umgeht, die die Produkte und Rohstoffe herstellen oder recyclen. 


Zusammenhang

Bildquelle: Pixaby / Geralt
Heute nutzen wir im Welt-Durchschnitt so viel Kapazität der Erde in einem Jahr wie sie in eineinhalb Jahren verkraften würde. Andersherum: Am Welterschöpfungstag (in Deutschland im April) wären dann bis Neujahr Enthaltsamkeit angesagt, wenn die Nutzung von Mutter Natur nachhaltig sein soll.

Bei nicht-erneuerbaren Rohstoffen (z.B. Metalle, Salze, Minerale, Erdöl) ist es noch drastischer: Unser bisheriges lineares Modell der Rohstoffnutzung ist ja „take – make – waste“ - und ein wenig Recycling. 
Erst eine echte Kreislaufwirtschaft bringt Anfang und Ende zusammenbringen, und macht aus Abfall wieder Nahrung. 
Utopie? Alles scheint unmöglich, bis es einer macht. Und bei cradle to cradle sind das mehr als einer.

Abfall ist nicht alles

Wenn wir jetzt nur das Abfall-Volumen betrachten, sagen wir von einer Pizza die der Lieferservice gebracht hat, dann ist es ja weniger als wenn wir selber kochen würden: Eine Papp-Schachtel statt Dosen, Packungen und Plastik. Und der Pizzabäcker hat ja größere Gefäße als wir, also ist es vom Abfall-Volumen einer Pizza gesehen besser diese Pizza zu bestellen. Halt, nicht gleich bestellen! Durch die Lieferung werden insgesamt mehr Ressourcen (CO2, Energie, Abrieb, Abfall, Wasser, weggeworfene Lebensmittel) verwendet als wenn wir nur den Abfall-Aspekt betrachten.



Wie anfangen?

Boah, so viel, und und jetzt? Wo fange ich an, was ist am sinnvollsten?

Mach es wie der agile Product Owner, wenn er (oder sie) überlegt, welches Feature zuerst implementiert werden soll: Orientiere Dich am ROI, dem Return of Investment: was bringt am meisten für den Einsatz den Du aufbringen kannst.

Und fang da an, wo Du was ändern kannst: in Deinem Einflussbereich. Die Weltmeere zu säubern ist ein ehrenwertes Anliegen, aber wenn Du nicht gerade Geräte baust die Plastik im Meer absaugen, ist das ein weiter Weg. Fang damit an, weniger Plastiktüten zu kaufen.

In Deinem Einflussbereich bestimmst Du, wie Du mit Mitmenschen und Umwelt umgehst. Das ist Dein Verhalten, aber auch Dein Geldbeutel: Was isst Du, wo und wie wohnst Du, wie kommst Du von A nach B, was kaufst Du, wie investierst Du. 



Auch im Berufsleben hast Du Einfluß - formell oder informell. 



Das bringt mich auf meine 5 R’s für eine Kreislaufwirtschaft:  
refuse, reduce, reuse, repurpose und recycle:

  • Refuse: Vermeide Müll indem Du gar nicht erst kaufst
  • Reduce: Kauf wenig oder das „richtige“
  • Reuse: Verwende mehrfach
  • Repurpose: Was kann man damit noch machen, wenn es für den Haupt-Zweck nicht mehr brauchbar ist?
  • Recycle: Trenne und entsorge



Wie: Mit Augenmaß

Kennt Ihr die Szene aus dem Otto-Film, wo drei Leute überlegen, wie man einen Teebeutel richtig entsorgt? (Bio oder Papier? Nein, Otto zeigt wie's geht: getrennt in Bio, Papier und Alt-Metall, Alt-Schnur und Alt-Papier!)

Umweltschutz bringt dann am meisten, wenn er einfach machbar ist. Statt dem perfekten Szenario ist mir ein praktikables lieber, bei dem viele mitmachen.





Bildquelle: Pixabay / TeroVesalainen

Und hier endlich: Die TOP 10 Tipps


1. Refuse: Kauf was Du brauchst. Nicht alles was Du möchtest. 
  • Manche Dinge kann man sich ausleihen. Gerade bei größeren Anschaffungen (Auto, Schleifmaschine) ist hier der größte ROI. Wenn Du kaufst, kann es ein gebrauchtes Gerät sein?
  • Teile und hilf auch anderen beim Teilen (Carsharing, Nachbarschaftsgruppen wie nebenan.de).

2. Refuse: Vermeide Plastik-Verpackungen und Einweg-Waren. 
  • Nimm beim Einkaufen eine Stofftüte von Zuhause mit, oder schau ob Du eine Stofftüte statt Plastiktüte kaufen kannst. 
  • Bio-Gemüse ohne Plastik-Verpackung gibt’s auf dem Wochenmarkt oder im Bio- oder Gemüseladen. 
  • Schau mal im OHNE-Supermarkt in München rein und lass Dich inspirieren was man alles ohne Verpackung kaufen kann. 
  • Schau bei Coffee to go again nach wo Du Deinen Becher auffüllen lassen kannst, wenn Du regelmäßig unterwegs Kaffee trinkst.
  • Wenn Du Veranstaltungen organisierst, nutze Mehrweg-Geschirr und eine Spülmaschine. Nutzt Dein Lieferant wiederverwendbare Umverpackungen?

3. Reduce: Nutze Mehrweg-Verpackungen oder Großpackungen.

4. Nutze Deine Geldbörse intelligent: Wenn Du ökologisch und fair hergestelle Produkte kaufst, am besten gleich nach der cradle-to-cradle Idee, förderst Du dass insgesamt weniger Abfall erzeugt wird.
  • Für Büro-Artikel schau mal bei memo.de
  • Eine einfache allgemein Orientierung: wegreen.de 
  • Cradle-to-cradle Artikel: cradlelution.de
  • Investiere richtig: Worin legst Du Dein Geld an? Was macht Deine Bank mit Deinem ersparten?

5. Refuse: Musst Du diesen Blog-Beitrag ausdrucken, um ihn zu lesen? Versuch’s mal am Bildschirm mit großer Schrift und ohne ablenkende andere Apps. Speicher ihn in Deiner Notizen-App. Dann findet Dein Gerät ihn in der Suche. Und die Links funktionieren – auf dem Papier nicht.

6. Reduce: Wenn Du Drucken musst, dann bitte doppelseitig. Stell den Drucker so ein, dass das der Default ist.

7. Reuse: Einseitig bedrucktes Papier ist super als Schmierpapier – für schnelle Notizen, die tägliche ToDo-Liste oder um etwas zu entwerfen, das geht schneller und ablenkungsfreier als am Computer.

8. Repair: Das Gerät will nicht mehr? 
  • Vielleicht kann es repariert werden? Wenn die Garantie/Gewährleistungsfrist abgelaufen ist, können Repair Cafés helfen.

9. Reuse oder Repurpose: kann das noch jemand verwenden?
  • Besser als es in Schublade aufzubewahren ist es das Handy (oder den Computer) zu spenden. Gerade für Unternehmen gibt es da tolle Angebote von AfB

10. Recycle: und wenn es keine andere Möglichkeit gibt: Trennen und recyclen! 
  • Wenn es schon eine Plastik-Tüte sein muss, dann steck sie in den Müll, wo sie verbrannt wird, und nicht 400 Jahre in den Weltmeeren herumtreibt.
  • Einige Drucker-Hersteller bieten an, verbrauchte Patronen zu recyceln.

Jetzt seid Ihr dran

Welcher Tipp war für Euch am wertvollsten? Welcher gehört noch in die Top 10? 
Und vor allem: Welchen Tipp setzt Ihr heute um?

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