Freitag, 9. September 2016

Co-Working in Berlin - ein persönlicher Bericht

Warum Co-Working?

Vielleicht ist jetzt vielleicht etwas überraschend, dass Sie in diesem Blog etwas zu Co-Working finden. Hat das was mit Nachhaltigkeit zu tun? Eher indirekt. Allerdings hat es viel mit Zusammenarbeit zu tun.

Co-Working ist nicht nur ein coolerer Begriff für Großraumbüro, sondern wenn Startups, Gründer und Gruppen aus etablierten Firmen in einem gemeinsamen Büro arbeiten, kann es "good vibrations" geben, sprich die Umgebung inspiriert:
  • Andere Menschen zu sehen die motiviert arbeiten, motiviert einen selber
  • Es ist ausreichend Gelegenheit zum Netzwerken und zum Austauschen
  • Im Co-Working kann zufällig oder geplant etwas Neues entstehen, dass jedem hilft. 
Der letzte Punkt ist finde ich sehr spannend.





Die Vorteile von Co-Working sehe ich in vier Stufen:

1. Co-Location:
Man teilt sich ein Büro. Das ist für Einzelunternehmer und Freelancer wichtig, wenn sie kein Home Office haben oder ihnen da öfter mal die Decke auf den Kopf fällt. Bei klassischen Büros wird man beim Mietvertrag gefragt, ob man für 5, 7 oder 10 Jahre unterschreiben will, beim Co-Working geht es eher um Monate. Das ist prima wenn etwas neues entstehen soll, wie bei einem Gründer, und nicht so ganz sicher ist, wie viele Büros man wann braucht.
Was braucht der Gründer oder motivierte Co-Worker zum arbeiten?

  • Seinen Laptop, WLAN, und einen Drucker. Das geht als Wechsel-Arbeitsplatz oder als fester Arbeitsplatz. Gruppen haben oft abgeschlossene Büros und genießen die Inspiration der anderen Menschen in den Pausen.
  • Kaffee und Kaltgetränke. Da gibt es unterschiedliche Modelle wie Flat-Rates oder Rabatte.
  • Ruhe oder nicht: Manche können im Café am besten arbeiten, weil sie die Menschen rings rum als Kulisse brauchen. Oft braucht man auch Ruhe um konzentriert an etwas zu arbeiten. Zum Telefonieren oder für intensive Besprechungen ist ein abgeschlossener Raum wichtig, um Ruhe zu haben und um andere nicht zu stören. Einige Co-Working Locations haben "Telefonzellen", andere unterschiedlich große Besprechungsräume.


2. Co-Services: Wenn man sich das Büro teilt, kann man auch Kosten für Dienstleistungen teilen und reduzieren: Wifi, Kaffee und Spülmaschine ist im Büro unter 1. schon drin, Hier ist gemeint, dass man ein ein Postfach hat, einen Concierce-Service, oder gar Gründungs- und Steuerberatung.

3. Co-Learning: Was ist das besondere an einem Co-Working Space? Hier kann man nicht nur arbeiten, sondern sich Inspiration holen oder ganz konkret weiterbilden. Oft werden Events angeboten, entweder technische Meetups oder Business Treffen, oder, wie wir es machen, Stammtische zum Thema auf Augenhöhe arbeiten. Bei diesen Events können die Mitglieder des Co-Working Spaces teilnehmen, und oft auch Externe.

Das Ziel von ist hier, Know-How und Austausch herbeizuführen, so dass der Reiz des Co-Working Space nicht nur seine Lage und sein Mobiliar ist, sondern auch welche Meetings und welche Expertise da ist.

Bei 4. geht es dann um Co-Creation: bei gemeinsamen Problemen kann man gemeinsame Lösungen finden, oder man findet für sein Problem jemand, der es schon gelöst hat bzw. genau das als Dienstleistung anbietet.

Co-Working in München

Warum jetzt in die Ferne schweifen, gibt es in München keine Co-Working Locations? Klar, doch, die gibt es. Wir haben uns etliche davon angeschaut. Und schon in ein paar gearbeitet.

Ausflug nach Berlin  

Rainer Votsmeier und ich waren vier Tage in Berlin, um eine neue Community rund um Augenhöhe zu starten - Menschen kennenlernen, Räume finden, und ganz allgemein den Geist der Berliner (Startup-Szene-)Luft zu schnuppern. Dabei haben wir ein paar Co-Working Locations besucht und hier sind unsere Eindrücke.

Kreativität und Inspiration brauchen Raum und Vielfalt
Das haben wir bei Ahoy am deutlichsten erlebt - viel Platz, hohe Decken, Internationalität, Kaffeebar,  Tische, Sofas, Tischtennisplatte, eRoller im Büro, Eventspace, alles da. Wir haben den Geist der Co-Creation fliegen sehen.


Dazu Einzelbüros und unterschiedliche Co-Working Bereiche mit festen Arbeitsplätzen mit gebrauchtem Holz an der Wand, das gefällt mir. Und zufälligerweise gab es ein Event mit Fairphone und einem Repair Workshop, da schlägt das Nachhaltigkeits-Herz höher.



Die Terrasse im Impact Hub und im Roofup bieten ebenfalls Raum - auch um sich mal  zurückzuziehen und in angenehmer Atmosphäre Ruhe zu tanken. Die Selbstverständlichkeit, sich auch mal erholen zu dürfen, hat mir im Impact Hub besonders gut gefallen.

Das Roofup erweitert sich um Räume in tieferen Etagen - unterm Dach bzw. unter freiem Himmel  fanden wir die Atmosphäre super, vor allem bei Sonnenschein. Die neuen Räume schauen wir uns beim nächsten Mal an.



Unterschiedlich "laute" Co-Working Bereiche

Bisher kannte ich nur Co-Working Locations wo es entweder "laute" Bereiche (d.h. alle arbeiten und reden und gehen für Stille woanders hin) oder "leise" Bereiche gab (d.h. es herrscht konzentrierte Stille und man geht zum Telefonieren und Besprechen woanders hin). In Berlin habe ich in einigen Locations gesehen, dass es dediziert ruhige und dediziert laute Bereiche gibt (im Roofup war die Rede von "super ruhig", Team und "super laut"). Wenn in allen Bereichen freie Plätze sind, kann man prima je nach Bedürfnis den Platz wechseln.


Bar oder nicht Bar

Einige Spaces hatten eine Bar mit Personal, einige nicht. Wie sehr sollen die Mitbewohner sich an so gewöhnlichen Dingen wie Kaffee kochen (und Spülmachine ein- und ausräumen) beteiligen? Da gibt es unterschiedliche Konzepte. Dazwischen liegt das vom Im Impact Hub (in München) mit  gemeinsamen Aktionen  in der Küche zum Community Building, also vernetzen und kennenlernen.


Wie werden neue Mitglieder und Interessenten begrüßt und begleitet

Das war für mich eines der spannendsten Punkte. Wenn ich mich für Co-Working interessiere und mir einen Space anschaue, was passiert dann? Kann ich kommen wann ich mag, muss ich erst begründen warum ich dazu passe oder werde ich freundlich begrüßt und herumgeführt?

Das Hubraum der Telekom will vor einer Tour erst mal wissen, ob man als Startup zu den Geschäftsfeldern der Telekom passt. Klare Ansage und schade, denn der Raum wirkt ansprechend.

Beim Roofup haben wir kurz angerufen (wir waren zu doof für die automatische Türöffnungsanlage) und wurden dann rumgeführt und bekamen in einem persönliches Gespräch viel Auskunft. Wir bekamen einen "Probetag" angeboten.

Beim Ahoy wurden wir ebenfalls gleich angesprochen, in Englisch, und bekamen eine Tour.

Im betahaus gibt es nur feste Tour-Zeiten, am Tresen bekamen wir ausreichend Infos. Und das Café und der Außenbereich spricht für sich.

Im Impact Hub Berlin hatte Host Robert Dienst. Als Host ist man einen Tag in der Woche für Gäste und neue Mitglieder tätig und begleitet sie. Robert kam direkt auf uns zu und zeigte uns alles. Das fanden wir sehr angenehm.

In anderen Spaces führen die Gründer Touren durch, oder es gibt Ansprechpartner.


Community online oder offline? Beides

Wie findet man raus, was gerade im Coworking Space läuft und wer da ist und was macht?
Einige machen das nur online (z. B. Ahoy und Roofup mit einer speziellen Software), im Impact Hub gibt es eine Liste aller mit Bild, Geschäftsidee und Interessen, und außerdem ein Kalender welche Events es gibt - hübsch als Zweitnutzung über den Schließfächern. An diesem Kalender und an der Liste kommen alle vorbei. Und natürlich trifft man sich in der Küche und auf der Terrasse, und bei Events sowieso.



Und sonst noch
  • Außen pfui, innen hui - lassen Sie sich nicht vom ersten äußeren Eindruck täuschen.
  • Auch Kleinigkeiten machen viel aus - mir hat der Panda in der Box im Ahoy gut gefallen, der spielerisch ans Trinkgeld erinnert



Das war der Bericht aus Berlin. Ich fand Berlin groß, sommerlich und sehr inspirierend. Fortsetzung folgt.

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