Mittwoch, 25. November 2015

Bericht vom Cradle-to-Cradle Kongress 31.10.2015 in Lüneburg

Der deutsche Cradle to Cradle Verein hatte zum zweiten Mal nach 2014 zum Kongress in die Leuphana Universität in Lüneburg eingeladen. 

 


Es kamen ca. 600 Gäste aus Forschung, Unternehmen und Politik, ein breites Spektrum.

Alle hängten sich (im natürlichen Kreislauf abbaubare) Halsbänder mit giftfrei bedruckten Namensschildern um den Hals. Sie lauschten Grußworten von Politik und Verbänden, bewegenden Berichten z.B. von Bio-Pionieren aus Ägypten, inspirierenden Vorträgen z.B. vom Zukunftsforscher Mathias Horx, und diskutierten im Netzwerk-Café. 


Es gab Podiumsdiskussionen mit Vertretern der Industrie, der Bildung, der Politik und der Gesellschaft, es gab einen Grundkurs cradle to cradle von der Regionalgruppe Lüneburg, es gab natürlich veganes Essen, es gab wiederverwendbare Trinkflaschen, es gab ein Auswahl aus dem cradle to cradle Shop cradleution.de, und  es gab viele Gespräche am Rande.



Alle erfreuten sich ganz allgemein der positiven und konstruktiven Stimmung von Menschen, die den ökologischen Fußabdruck nicht (nur) verringern wollen, sondern eine positiven Fußabdruck hinterlassen wollen.

Vielen Dank an die vielen freiwilligen Helfer aus dem Verein! 

Für die Qualität der Bilder muss ich mich entschuldigen -
die sind mit meinem 5 Jahre alten Telefon entstanden.

Ein Bericht des Vereins und viele Bilder finden sich im Magazin-Beitrag des Vereins.

Antrophozän mal anders: Der Mensch als Nützling statt als Schädling

Der Vortrag von Mathias Horx war ein gutes Beispiel für die positive Grundstimmung – statt Menschen als Schädling zu betrachten, und sich an der Untergangsstimmung zu weiden, gab er positive Beispiele und sagte, dass nicht die Summe der menschlichen Biomasse für die Zukunft der Menschen ausschlaggebend ist, sondern die Summe der eigesetzten Hirnmasse
Tatsächlich haben die Pessimisten Recht, wir viele grundlegende Probleme haben –  das Antrophozän kann allerdings auch so laufen, dass wir Menschen neue Lösungen finden – beim Finden von Lösungen ist unser Hirn nämlich x mal so effektiv wie  beim Herumschlagen mit Problemen.


Darum geht es bei cradle to cradle im Allgemeinen – nämlich neue Lösungen zu finden, die mit der Grundidee einer Kreislaufwirtschaft (genauer zweien, nämlich einem biologischen Kreislauf und einem technischen Kreislauf) Lösungen anders denken. Statt end-of-pipe-Lösungen (d.h. den Abfall zu entgiften und zu recyclen) geht es darum, Abfall als Wertstoff zu begreifen, und von vorne herein, also beim Design, langfristig und in geschlossenen Kreisläufen zu denken. 

Ich hatte kürzlich noch mal die Gelegenheit, Professor Braungart noch mal live zu erleben. Er spricht von Öko-Effektivität statt Effizienz, also das richtige zu tun, statt "irgendwo" zu optimieren. Dieses Konzept, vom Ende her zu denken, kenne ich gut von Stephen Covey, und hat mir schon viel Arbeit am falschen Ende erspart.
Statt dem Dreigestirn der Nachhaltigkeit (Effizienz, Suffizienz und Konsistenz, also durch Technologie weniger verbrauchen, weniger zu benutzen und aus der Natur abzuschauen), spricht Professor Braungart von Qualität, Schönheit und Innovation. Diese radikal andere Sichtweise habe ich bereits in früheren Blog-Einträgen (hier und hier) beschrieben, und ich lerne immer wieder neue Aspekte.

Erfahrungen aus der Wirtschaft

Die Firmenleiter von zwei nach cradle to cradle Prinzipien arbeitenden Unternehmen, Herr Gugler von der Gugler GmbH und Herr Walpen von der Stoll Giroflex AG, bekräftigten, dass sie noch Exoten in der Vorreiter-Rolle sind. Wichtig bei der Einführung ist, zuerst intern bei den Mitarbeitern und Inhabern eine Veränderung in der Kultur zu erreichen, und dann bei den Zulieferern und Kunden. 
Herr Gugler erzählte vom Bewusstseinswandel von "Öko" (z.B. pflanzliche Stoffe) und "Effizienz" (weniger schädlich) zu "Cradle to Cradle" (Konzept der Fülle, Giftfreiheit, Kreislaufwirtschaft). 

Ein Faktor ist auch dass Lieferanten nicht unbedingt genau wissen, was in ihren Produkten enthalten ist. Hier ist ein vertrauensvolles und langfristiges Verhältnis zu Zulieferern gefordert. Die cradle to cradle Assessoren wie EPEA können hier als neutraler Dritte fungieren, um ohne Preisgabe von Geschäftsgeheimnissen Klarheit herzustellen, was in Vorprodukten enthalten ist und sie Schritt für Schritt giftfrei, in Kreisläufen abbaubar bzw. wiederverwendbar, CO2-neutral, wasserschonend und sozial verantwortlich zu machen - diese fünf Werte liegen der cradle to cradle Zertifizierung zu Grunde.

Frau Katja Hansen von der EPEA empfiehlt, erst mal kleinere Schritte zu gehen und nicht vor der großen Hürde zu verzweifeln - es existiert schon viel Know-How und Erfahrung, die über den Verein und die Assessoren verfügbar sind.

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