Freitag, 18. September 2015

Eindrücke vom 3. Bayerischen CSR Tag

Am 15. 9. 2015 hatte die IHK zusammen mit der Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration zum 3. bayerischen CSR Tag eingeladen. Ich gebe hier meine Eindrücke der Veranstaltung wieder.

CSR bedeutet corporate social responsibility, quasi das Gleiche wie Nachhaltigkeit, allerdings mit mehr Fokus auf Verantwortung und Freiwilligkeit. Da die IHK ja den Begriff des ehrbaren Kaufmanns hochhält, dessen Werte ebenfalls viel mit Verantwortung, langfristiger Ausrichtung und dem bayerischen "Leben und Leben lassen" zu tun haben, passt das ja ganz gut.

Neben der Diskussion über die großen Probleme wurden auch 5 Beispiel vorgestellt, wie Unternehmen CSR konkret umsetzen.




Anfangs gab es Festreden des Staatssekretärs, des Hauptgeschäftsführers und eine weniger festliche Rede von Prof. Dr. Dr. Rademacher. Während sich alle Redner einig waren, dass es uns in Bayern mit am besten geht, und dass Eigentümer-geführte Unternehmen im Mittelstand Verantwortung gut umsetzen können und dass Unternehmen Treiber für Innovation sind, gab es unterschiedliche Auffassungen davon, wie wichtig eine staatliche Regulierung beim Thema CSR-Berichterstattung ist (die EU-Richtline 2014/95/EU wird bis 2017 in nationales Recht umgesetzt) und wie viel Freiraum für Eigen-Engagement bleiben soll. In der Diskussion wurden noch Themen wie Milchpreis, Griechenland und natürlich die Flüchtlinge gestreift.
Prof. Dr. Dr. Rademacher erinnerte daran, dass auf der Welt nicht viel Nachhaltigkeit herrscht und dass wir große Anstrengungen und Innovationen brauchen, um eine weltweite Balance zu erreichen.
Er schloss mit der positiven Botschaft, dass die Organisationen OECD, UN und IWF, früher Hochburgen des Neo-Liberalismus, heute "green" und "inclusive" Wirtschaften fordern, also Umwelt und Menschen in das unternehmerische Handeln einzubeziehen sind.

So schön es war, dass die Worte CSR und Nachhaltigkeit mit einiger Andächtigkeit ausgesprochen wurden, so schön war es, sich dann mehr den konkreten Möglichkeiten für Unternehmen zuzuwenden. An der Andächtigkeit ist nichts falsch, ich mache das auch so. Kunden gewinnt man dadurch allerdings noch nicht.

Nach der Pause kamen 5 Pitches von süddeutschen Unternehmen, von Audi, Bosch Siemens Haushaltsgeräte, AfB, Bauer aus Weilheim und Deuter Sport. Damit verließen wir die große Bühne der weltweiten Probleme und wandten uns mehr der konkreten Umsetzung der Nachhaltigkeit in Unternehmen zu.

Frau Wadé von Audi machte es recht deutlich, dass die großen Worte von Balance zwischen Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft in den Ingenieurs-orientierten Fachbereichen nicht die Ebene sind, auf denen man die Kollegen abholen kann. Sie sagte, dann kann man gleich die Klangschalen mitnehmen - man wird wohl eher in die esoterische Ecke abgeschoben. Hier helfen die richtigen Fragestellungen zu Themen, die die Kollegen im Bereich interessieren.



Herr Korten von BSH hob zuerst hervor, dass das Einbeziehen der Kollegen vor Ort in Nachhaltigkeitsmaßnahmen den Unterschied gegenüber früheren Versuchen, diese von Oben über die Hierarchie zu verordnen, gemacht hat. Ein weiterer interessanter Aspekt war, dass BSH bei der Recyclingquote von knapp 30% es auch als seine unternehmerische Verantwortung sieht, diesen Wert zugunsten einer (realeren) Kreislaufwirtschaft zu verbessern. Beim Energieverbrauch konzentriert sich BSH auf Fertigung und die Nutzungsphase, da dort im Lebenszyklus der höchste Verbrauch auftritt.

Recycling war natürlich eine Steilvorlage für Herrn Cvilak von AfB. AfB holt gebrauchte PCs von großen Firmen ab, löscht die Daten, und verkauft die Geräte weiter, z.B. an die Mitarbeiter. Damit erhöhen sie die Lebensdauer der Geräte, und sorgen für fachgerechtes Recycling in Deutschland. AfB schafft Arbeitsplätze für Behinderte in der Region. Er sagte, so wird das komplexe Thema CSR einfach erklärbar und einfach umsetzbar. Für seine Firma ist CSR ein Verkaufsargument.

Herr Wittig aus Weilheim setzte den Trend fort, dass CSR nicht so kompliziert sein muss. Er sagte, dass der Fachkräftemangel (auch) auf dem Land spürbar ist, und dass Bauer einen langen Weg zu mehr gesellschaftlicher Verantwortung und Engagement hinter sich hat. Dabei helfen die bayerischen Organisationen wie ökoprofit mit günstiger Beratung, und die Webseite der izu (Infozentrum UmweltWirtschaft des bayerischen Landesamt für Umweltschutz) für KMUs sogar mit kostenlosen Checklisten und Leitfäden.

Frau Bauer von Deuter Sport setzte sich mit Transparenz und Fairness in der Lieferkette auseinander und berichtete von ihrem Haupt-Lieferanten in Vietnam und den Aktivitäten in der fair wear Foundation. Auch wenn Fairness und Transparenz mit nur zwei Hauptlieferanten einfach erscheint, kümmert sich Deuter um alle Aspekte der CSR/Nachhaltigkeit.


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