Montag, 13. Juli 2015

2025 Teil 2: Ressourcen

Man soll die Zukunft nicht vorhersehen wollen,  sondern möglich machen.
Antoine de Saint-Exupérie, 1948 



Heute lesen Sie Teil zwei meiner neuen kleinen Serie im Blog, die sich um das Jahr 2025 dreht. Also schauen wir in die Zukunft. Warum gerade 10 Jahre nach vorne?
2025 ist noch weit genug weg, so dass sich einiges ändern kann, und es ist nahe genug, dass wir uns unbedingt Gedanken darüber machen sollten, was alles geschehen muss, damit sich 2025 einiges ändern kann.

Dieses mal geht es um das Thema nicht-erneuerbaren Rohstoffe


Das sind mineralische und sonstige anorganische Rohstoffe, die in Produkten während des Produktlebenszyklus verwendet werden. Die im Produktlebenszyklus notwendige Energie oder das Wasser betrachte ich heute hier nicht. 

Mein aktueller Aufhänger ist eine Pressemitteilung der bayerischen IHK, die den "Rohstoffreport 2015" herausgegeben hat. Der ist eine Umfrage, die seit 2012 erhoben wird. Mehr als die Hälfte der bayerischen Unternehmen - vor allen in Metall-Branchen - spürt aktuell steigende Rohstoffpreise. Seit einigen Jahren sind die Rohstoffpreise zwar wieder stabiler, und die Rohstoffeffizienz ist gestiegen, allerdings ist Deutschland halt auf den Import von Rohstoffen angewiesen, und der Rest der Welt braucht auch Ressourcen für ein Wirtschaftswachstum. 

Und dass die Nachfrage steigt, habe ich schon 2004 beim Bau meines Hauses mitbekommen: Über Nacht waren die Preise für Baustahl um 30% gestiegen, weil in China viel gebaut wurde. Noch dramatischer waren die Preisanstiege - und Schwankungen - bei den seltenen Erden. Dazu gehören Metalle, die früher eher selten gebraucht und gefördert wurden, jetzt aber in Microchips, LEDs, Solarzellen oder Windturbinen benötigt werden. Hier melden bayerischen Unternehmen vermehrt Versorgungsengpässe.
Die bayerische IHK fordert politische Lösungen wie Abbau von Importzöllen, allerdings auch mehr Bewusstsein beim Rohstoffeinsatz und beim Recycling. Dieses Bewusstsein ist wohl schon bei der Hälfte der bayerischen Unternehmen angekommen. Bravo!

Im Report werden auch Maßnahmen für mehr Ressourcen-Effizienz genannt: Prozess-Optimierung, Verschnitt reduzieren, Recycling, und auch das Thema Nachhaltigkeit in der Produktentwicklung wird gestreift.

Kritische Rohstoffe

Die europäische Kommission schaut sich die wirtschaftlichen Aspekte bei kritischen Rohstoffen schon lange an: bei welchen Rohstoffe gibt es wenige (bekannte) Reserven im Vergleich zur Fördermenge, woher kommen die Rohstoffe (die seltenen Erden werden zum großen Teil in China gefördert), und wo werden diese Rohstoffe eingesetzt - häufig sind davon Zukunfts- und Schlüsseltechnologien betroffen.

Quelle: EU Kommision 2014
Die EU untersucht auch, welche Hindernisse es auf dem Weg zu mehr Ressourcen-Effizienz gibt: neben gesetzlichen Randbedingungen sind es fehlendes Know-How in den Unternehmen, geringe Wertschätzung öffentlicher Ressourcen, und fehlende Anreize z.B. für Hauseigentümer für eine energetische Sanierung, weil diese Kosten ja der Mieter zahlen muss.
Ob sich aus den Absichtserklärungen, Ressourcen stärker als Arbeit zu besteuern, tatsächlich Verbesserungen bis 2020 ergeben, werden wir sehen.

Die EU betrachtet übrigens Ressourcen-Effizienz und Energie-Effizienz bzw. Reduktion der fossilen Brennstoffe in der gleichen Strategie.

Ökologische und soziale Aspekte 

Neben der wirtschaftlichen Betrachtung gibt es natürlich auch eine ökologische und eine soziale Dimension: Rohstoffe, die nicht gerade an Bäumen wachsen, sind begrenzt, ihr Abbau und ihr Recycling sind oft ein schmutziges Geschäft, für die Umwelt und für die daran beteiligten Menschen.

Interessanterweise gibt es im Dodd-Fanks-Act in den USA, der nach der Bankenkrise 2009 für mehr Absicherung sorgen soll, Passagen zum Schutz der Menschen in der Kongo-Region:
Beim der Weiterverarbeitung von z.B. Gold und Zinn aus dieser Region müssen an der US Börse gehandelte Unternehmen nachweisen, dass diese keine Konflikt-Mineralien sind, bei denen Terrorbanden die Profite einstecken. Das hat dazu geführt, dass Unternehmen einfach keine dieser Ressourcen aus der Region eingeführt haben, und damit formal dem Dodd-Fanks-Act entsprechen. Was den Menschen in der Region nur bedingt geholfen hat.
Die EU ringt noch um eine ähnliche Verordnung - dabei geht es um Freiwilligkeit oder nicht, und wie tief die Lieferkette einbezogen werden soll.

Das Fairphone versucht das Thema Rohstoffe aus dem Kongo und anderen Konfliktregionen explizit anders zu lösen. Das verursacht beim ersten Fairphone Kosten von gut 13 oder 3,5% pro Telefon. Beim zweiten Fairphone wurde die faire Beschaffung auf weitere Materialien ausgeweitet.

Das Beispiel der fairen Maus zeigt deutlich, wie komplex die Lieferkette im IT Umfeld ist:



Zum Thema Recycling und Lebensdauer werde ich in einem weiteren Blog-Eintrag mehr schreiben.

Was bedeutet das für 2025 für nicht-erneuerbare Rohstoffe? 




  • Ressourcen können ein wirtschaftliches Risiko sein: kritische Rohstoffe werden knapp, Preise und Angebot können stark schwanken
  • Ressourcen-Effizienz wird auf der politischen Ebene gefordert (die Förderung sehe ich noch nicht so klar). Wenn wir 2050 9 Milliarden Menschen ein menschenwürdiges Leben bieten wollen, muss eine Effizienz-Steigerung um den Faktor 4 bis 10 her.
  • Woher die Ressourcen kommen, wie sie abgebaut werden, und was genau im Produkt enthalten ist,  ist neben der Arbeitssicherheit für die Mitarbeiter und Produkthaftung für die Kunden zunehmend auch für den Ruf des Produktes und Unternehmens wichtiger.
Wer sich also für 2025 auf die Rohstoffsituation, ihre Konsequenzen und die notwendige Effizienzsteigerung einstellen will, sollte heute damit anfangen. 


1 Kommentar :

Vielen Dank, dass Sie einen Kommentar hinterlassen wollen.
Die Kommentare werden moderiert, und erscheinen erst nach der Freigabe. Vielen Dank für Ihr Verständnis.