Mittwoch, 25. März 2015

Leben ohne eigenes Auto


Mit 18 hatte ich mein erstes Auto.
Nein, keine Isetta, einen Opel. Etwas größer.

Interessanterweise brauchte das erste Auto mit 60 PS genauso viel Sprit wie das vorletzte mit 115 PS. Die Effizienz eines modernen Motors alleine spart noch nichts ein - das moderne Auto wog ja auch doppelt so viel.

Mit 49 habe ich zum ersten Mal kein Auto. Eher unfreiwillig, aber nicht unwillkommen.

Da wir wieder in München wohnen, brauchen wir nicht für jeden Tag ein Auto. Früher, auf dem Land, in einer kleinen Gemeinde mit recht unbequemer öffentlicher Anbindung, brauchten wir das unbedingt.

In der Stadt geht es größtenteils ohne Auto.





Leben ohne Auto - in der Stadt machbar

Wir können zu Fuß oder mit dem Fahrrad einkaufen. Gut, die Palette Milch und der Kasten Wasser sind von der Einkaufsliste gestrichen - stattdessen gibt es alle 1-2 Tage Frischmilch und selbst gesprudeltes Wasser. Der große Sack Katzenstreu wird online bestellt.
In die Stadt (Arbeit und Freizeit) können wir mit der S-Bahn, dem Bus oder der U-Bahn fahren. Mit dem Fahrrad kommen wir gut in die Naherholungsgebiete und die Freizeit ist mit dem Bayern-Ticket auch ohne Stau machbar - allerdings gibt es keine Garantie auf den Sitzplatz.
Und wenn's schnell gehen muss, z. B. zum Arzt? Dann geht auch mal ein Taxi - da ja keine Grundkosten für das Auto da sind (Versicherung und Sparen für das nächste machen schon einiges aus), ist das in Notfällen drin.

immer? nein, nicht immer

Nur wenn der Sperrmüll den Keller füllt, oder wir den Balkon frisch bepflanzen wollen, wäre ein Auto schon recht. Und ich gebe zu, manchmal bin ich zu faul, für 4-Stunden-Seminar 4-6 Stunden mit dem Bus durch die Gegend zu gondeln.

Wir haben das Glück, dass bei uns in der Gegend zwei Fahrzeuge eines Carsharing-Anbieters stehen.
Für uns sehr angenehm, für den Anbieter vermutlich weniger: "Unsere" beiden Autos stehen oft genug da, und lassen sich innerhalb einer Stunde reservieren. Wenn die beiden mal belegt sind, stehen die nächsten ca. 3 km entfernt.


wie geht Carsharing?

Das Carsharing funktioniert recht einfach: Anmelden, Führerschein prüfen lassen und dafür Zugangskarte bekommen, online buchen. Kurz vor Mietbeginn erhält man eine SMS mit der genauen Fahrzeugposition. Die Zugangskarte öffnet das Auto. Dann vier Fragen zum Zustand des Autos beantworten, und dann geht's los.

Bei unserem Anbieter zahlt man nach Mietdauer und nach gefahren Kilometern. Festkosten gibt es keine, also zahlen wir nur, wenn wir das Auto brauchen. Für das Seminar in dem kleinen Dorf waren das dann etwa 15€, also etwas teuer als öffentlich, allerdings war ich 4 Stunden weniger unterwegs.

Für längere Reisen, etwa zum Verwandtenbesuch in NRW über Weihnachten, ist das Carsharing keine Lösung - zu den vielen Kilometer kommen viele Tage. Wenn die Bahn zu unverschämt teuer und voll ist (Weihnachten), nehmen wir auch mal ein Mietauto. Zu dritt ist die CO2-Bilanz auch erträglich.

Unsere Erfahrungen

Inzwischen haben wir alle drei eine Zugangskarte. Insbesondere für meinen Sohn finde ich das wichtig, dass er mit 19 nicht verlernt, wie man Auto fährt. Das war das letzte Argument für das eigene Auto, und das ist damit auch weggefallen.

Das Fahren ist durchaus bequem: Ausreichend Platz, Navi, Tanken braucht man nur, wenn weniger als 1/3 im Tank ist, und für's freiwillige Autowaschen bekommt man Freikilometer.




Wichtig ist, sich gut zu versichern, und sich an die Regeln zu halten. Bei unserem Anbieter gibt es eine Flatrate für Vollkasko. Die haben wir standardmäßig gebucht.
Verboten sind Rauchen, Tiere, und natürlich alles was die Straßenverkehrsordnung auch nicht erlaubt.

Wichtig ist auch, beim Aussteigen alles mitzunehmen. Beim eigenen Auto schlägt man sich an die Stirn, greift zum Schlüssel und geht noch mal zum Auto. Beim Carsharing muss man vor dem Griff zum Schlüssel noch mal für eine Stunde reservieren. Etwas zu vergessen ist also ärgerlich.

Alles in allem: Carsharing ist eine Lösung, die für uns Stadtbewohner mit guter Infrastruktur funktioniert. Auf dem Land sieht das schon anders aus. Da wünsche ich mir kreative Lösungen.

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