Donnerstag, 22. Januar 2015

Meine philosophische Grundlage für Kommunikation

Die wichtigste Verbindung zwischen Mensch und Mensch ist die Kommunikation. Ob im Privatleben oder im Geschäftsleben, wir haben es immer mit Menschen zu tun. Und natürlich wir sind ja selber auch Menschen.
In diesem Beitrag will ich zeigen, was meine philosophischen Grundlagen im Umgang mit den Menschen sind - mit mir selber, und mit anderen.





Die Grundlage von allem ist für mich die Achtsamkeit.

Jon Kabat-Zinn ist der Gründer der "MBSR" Methode, also Achtsamkeits-basierte Stressbewältigung. Die Grundlage dazu ist die Achtsamkeit aus dem Buddhismus, dem Yoga und anderen östlichen aber auch westlichen Lehren. Diese hilft auch den stressgeplagten Menschen des 20. und 21. Jahrhunderts. Achtsamkeit lehrt, die Fülle des Augenblicks und die Freude des Seins wahrzunehmen. 
Sehr esoterisch? Nur für gestresste?
Hier sage ich entschieden nein - im Annehmen des Augenblicks kann ich Achtsamkeit mit mir selbst, meinem Körper, meinen Gefühlen und Gedanken herstellen. Und genauso wichtig: Achtsamkeit mit meiner Umgebung, z.B. für den Menschen gegenüber.
Wenn ich im Gespräch mit einem Menschen bin, kann ich nur dann voll bei ihm sein, wenn ich im Hier und Jetzt bin, und wahrnehme, was mit mir und ihm gerade passiert. 
Als Einstiegsbuch würde ich "Gesund durch Meditation" (Englisch: full catastrophe living) empfehlen.





Das zweite Buch hat meine Lebensphilosophie sehr stark geprägt: Stephen Covey's 7 Wege zur Effektivität. Dabei geht es nicht um irgendwelche Tricks, sondern um ein prinzipien-orientiertes Leben mit den 7 Wegen, und wie man sich selbst organisiert (untere Pyramide), und sein Zusammenleben mit anderen Menschen organisiert (obere Pyramide).




Die 7 Wege sind:
  1. Pro-aktiv sein: Die Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen und etwas ändern, was man ändern möchte, anstatt die Schuld woanders zu suchen und auf den Lottogewinn zu warten.
  2. Schon am Anfang das Ende im Sinn haben: warum wollen wir etwas tun? Was soll dabei rauskommen? Diese Fragen sollten am Anfang jedes Projekts stehen. Auch wenn ich für Pragmatismus stehe, sind diese Fragen äußerst wichtig für effektives Handeln - wichtig ist, zu wissen, wohin mal laufen soll, bevor man losläuft.
  3. Das wichtigste zuerst tun: Hier geht es um die Eisenhower-Matrix (dringend oder wichtig), und die Erkenntnis, dass die Dinge, die einem selbst wichtig sind, oft nicht als dringend angesehen werden, und deshalb oft verloren gehen. 
  4. Win/Win Denken - der langfristig erfolgreichste Umgang mit den Mitmenschen ist, wenn wir etwas tun, was beiden Seiten nützt. Für Win/Win braucht es Vertrauen, und daran muss man arbeiten.
  5. Erst verstehen, dann verstanden werden - durch aktives, emphatisches Zuhören verstehen, was der andere wirklich will, und dann in diesem Wissen mein eigenes Anliegen anbringen - vorher bringt es nichts. Die Grundlage dazu ist wieder die Achtsamkeit gegenüber mir selbst und gegenüber dem Gegenüber. 
  6. Synergien schaffen ist die Fortsetzung von Win/Win - meist gibt es einen dritten Weg, der von meinem und dem des Gegenübers abweicht, und beiden deutlich mehr bringen kann. Anders als der Kompromiss, bei dem beide eher weniger haben - er ist nur der kleine Bruder der Synergie.
  7. Die Säge schärfen - dafür sorgen, dass die Grunddimensionen des Menschseins weiter entwickelt werden: Körper, Verstand, Herz und Geist.
Ich erlebe oft, dass man mit diesen 7 Wegen (oder Regeln) sehr viele Probleme darstellen und lösen kann. Das macht das prinzipien-orientierte Leben so einfach: Man muss nicht für alle Probleme eine Lösung kennen, sondern nur diese Regeln anwenden. 




Bild drudel / aboutpixel.de
Buch Nummer 3 und 4 handeln vom gleichen Thema, auch wenn sie Marshal Rosenberg und Beate Brüggelmeier sie unterschiedlich bezeichnen: Gewaltfreie oder Wertschätzende Kommunikation. Bei allem Respekt vor Marshal Rosenberg finde ich den positiven Namen Wertschätzende Kommunikation angenehmer. 
Wertschätzende Kommunikation bedeutet für mich im wesentlichen, die Gefühle und Bedürfnisse von mir und meinem Gesprächspartner zu erkennen und sie nebeneinander zu stellen: Sein Bedürfnis UND mein Bedürfnis. Wenn ich das auf eine wertschätzende Art und Weise tue, kommen wir viel leichter zum Ziel als auf eine geringschätzende oder gewaltvolle Art. Dazu gehört, Beobachtungen und nicht Urteile zu äußern, meine Gefühle statt meiner Gedanken darzulegen, und die Bedürfnisse statt der Methoden zu ergründen, und dann eine Bitte zu äußern, die auch abgeschlagen werden kann.
Hierzu brauche ich wieder Teile der Achtsamkeit (im Hier und Jetzt sein, offen sein, das annehmen, was jetzt gerade ist), und empathisches Zuhören - genau wie im 5. Weg bei Stephen Covey. Wenn dann beide Bedürfnisse klar sind, kann ich nach einer Lösung suchen, die beiden gefällt, und sie als Bitte äußern - das ist wie Weg Nummer 6 bei Stephen Covey.
Übrigens: Auch im Business kann mal Gefühle äußern, und zwar eher pauschale ("das gefällt mir" / "das macht mir Bauchweh" ) statt einer kompletten Innenschau.





Das fünfte Buch von Friedemann Schulz von Thun ist eines aus seiner Serie Miteinander reden. Als Einstieg würde ich den Band 4 empfehlen: Miteinander reden: Fragen und Antworten. Da geht es um das Kommunikations- und Werte-Quadrate, Kommunikationsstile, das innere Team ("zwei Seelen wohnen in meiner Brust"). Ich muss sagen, bei diesem Buch sind mir ganze Lichterketten aufgegangen. Es geht nicht um Beeinflussung von Menschen, sondern um das Verständnis von mir selbst und dem anderen.






Leider habe ich noch kein sechstes Buch, das ich auf den Stapel legen kann: über Soziokratie habe ich noch kein gedrucktes. Soziokratie ist eine formalisierte Kommunikations- und Organisationsform mit Kreisen, die - bei ausreichendem Vertrauen - effektiv viele Aspekte und Meinungen auf den Tisch bringt, und dann tragbare Entscheidungen hervorbringt.
Mit einer soziokratischen Gesprächsführung kann man sehr gut die "Weisheit des Raumes" heben, sprich von den Erfahrungen, dem Wissen und den Einschätzungen aller profitieren. Es hilft aus sehr, das eigentliche Problem klar darzustellen. Und gemäß Stephen Covey und Marshal Rosenberg bzw. Beate Brüggelmeier kann man dann eine gemeinsame tragfähige Lösung finden. Da es nicht darauf ankommt, dass alle einer Meinung sind, sondern dass keiner schwerwiegende Bedenken gegen eine gemeinsame Lösung hat, ist das eine sehr gute Methode zur Moderation von kleinen (bis 10 Leute) Gesprächsrunden. Es gibt auch die richtige Fehlerkultur: Beschlüsse sind für einen gewissen Zeitraum gültig und werden auch wieder auf die Tagesordnung gesetzt, wenn wesentliche neue Informationen vorliegen, z.B. wenn sich bei der Ausführung Hindernisse ergeben haben.
Es ist ebenso für Organisationen anwendbar, mit miteinander verbundenen, durchaus  hierarchischen Kreisen. 


Im nächsten Beitrag formuliere ich dann aus diesen Grundlagen meine beiden Geschäfts-Philosophien: "Ganzheitlich und Pragmatisch", und "UND bringt Chancen".

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