Dienstag, 9. September 2014

Grafische Darstellung des Nachhaltigkeitsbegriffs

In einem früheren Artikel habe ich Nachhaltigkeit schon recht ausführlich beschrieben. Heute möchte ich ein paar Darstellungen besprechen, und was mir daran gefällt und was nicht.


Ich möchte alle Leser herzlich dazu einladen, ihre Vorstellungen und Anmerkungen über Kommentare mit einzubringen. Nachhaltigkeit ist ein gutes Forum für "UND" Thematiken, also meine Meinung UND Ihre/Eure Meinung(en), die gleichwertig nebeneinander stehen dürfen.



Nachhaltigkeit heißt ja ganz kurz "genug für alle, immer", und bezieht sich auf die Gestaltungsmöglichkeit aller Menschen, heute und für künftige Generationen. In der nachhaltigen Entwicklung geht es immer um drei Aspekte, die gleichwertig nebeneinander stehen:

Wirtschaftlichkeit UND Soziales UND Umwelt, oder auf Neudeutschprofit AND people AND planet







Diese Darstellung ist zwar zweisprachig, bringt aber neben den drei Bereichen auch die geografischen und zeitlichen Dimensionen mit ein. Das ist komplex, und recht vollständig.

Was hier nicht so deutlich wird, ist dass Nachhaltigkeit eigentlich nur im Schnittpunkt der drei Kreise entsteht:



Viele Aktivitäten, die unter Nachhaltigkeit laufen, sind nur dem Anschein nach nachhaltig, weil sie entweder isolierte Maßnahmen sind, die mehr dem Anschein als dem Ziel dienen.  Damit sieht die Nachhaltigkeit-Grafik eher so aus:



Ein Beispiel, dass mir häufiger auffällt, ist mit dem Forest Stewardship Council (FSC) Label zu werben oder FSC-zertifiziertes Holz mit nachhaltig produziertem Holz gleichzusetzen. Dazu muss man wissen, dass die FSC Zertifizierungen je nach Land deutlich unterschiedlich ausfallen können (siehe FSC watch).

Da es sich hier eher um Greenwashing handelt, würde das dann so aussehen:



Wie unterscheidet man Greenwashing von einer echten nachhaltigen Unternehmensführung? Dazu muss die Strategie und die Umsetzung transparent gemacht werden, so dass man den Plan erkennen kann, und wo das Unternehmen gerade steht. Daran kann man sehen, ob aktuelle Aktionen isoliert sind und eventuell hauptsächlich auf den Effekt ausgerichtet sind, oder Teil des Plans sind. Denn eine nachhaltige Entwicklung geht nicht von heute auf morgen, sondern geht naturgemäß in mehreren Schritten.






Neben den Kreisdarstellungen gibt es noch andere Darstellungen. Die älteste ist die der drei Säulen.



Hier könnte man meinen, dass man mindestens eine der Säulen ohne Schwierigkeiten weglassen könnte, und das Dach (die Nachhaltigkeit) bleibt noch stehen, zumindest zeitweise.



Hier ist das mit der UND-Verknüpfung nicht so offensichtlich, also dass man alle drei Teile braucht. Das Kreisdiagramm (oben) zeigt das schon besser.



Auf einer Schulung in Berlin bei GUTcert habe ich bei Professer Dr-Ing. Lieback eine schöne Darstellung (oder genauer gesagt: ein echtes Modell) gesehen, bei der die drei Bereiche in den Kreisen mit einer elastischen Gummischnur miteinander verbunden waren.
Das gefällt mir recht gut: bei jeder Entscheidung sollte Nachhaltigkeit eine Rolle spielen, also die ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen berücksichtigt werden. Das Ziel ist, dass alle drei gleich stark sind. Da das Leben nie so einseitig ist, wird es Entscheidungen geben, die mehr in die ökonomische Seite ziehen, dafür werden bei anderen Entscheidungen die anderen Aspekte wieder stärker berücksichtigt. Daraus ergibt sich dann eine nachhaltige Unternehmensführung.





Doch sind alle drei Seiten gleich stark?
Können wir uns erlauben, die Umwelt zu vernachlässigen? Das machen wir seit Jahrzehnten, und die Frage ist, wie lange geht das noch gut.
Können wir uns erlauben, die Menschen schlecht zu behandeln? Sowohl die, die im Rahmen der Globalisierung weit weg von uns ausgebeutet werden, und auch die bei uns, die im Berufsleben immer stärker belastet werden, ohne dass sie mit Respekt behandelt werden?

Hier passt eine andere Darstellung besser: Unser Ökosystem ist die Grenze, in der sich Menschen und Wirtschaft bewegen. Und die Wirtschaft soll den Menschen dienen, nicht umgekehrt.





Jetzt bleibt noch die Frage: wer muss denn da was tun?
Ich meine, alle:

  • der Staat, um einen Rahmen zu schaffen
  • jeder einzelne, für sich privat (durch seinen Lebensstil und sein Konsumverhalten) und durch seine Investitionen und sein politisches Verhalten
  • die Unternehmen, da sie viel Einfluss auf die Produkte und Dienstleistungen haben, die uns allen zur Verfügung stehen, und da sie durch die Globalisierung teilweise außerhalb der Rahmenbedingungen der einzelnen Staaten stehen




Jeder einzelne Mensch und jedes einzelne Unternehmen kann nicht alleine die Welt retten und hat auch nicht die Verantwortung für alles. Und doch hat jeder die Verantwortung für die Folgen seines Konsums oder seiner unternehmerischen Tätigkeit. Und hier hilft uns jeder Schritt in die richtige Richtung.



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