Dienstag, 17. Juni 2014

Wassersprudler statt Kistenschleppen

Manche lieben Wasser ohne Kohlensäure, anderen schmeckt Wasser mit Blubber besser. Ich trinke beides, für den Hausgebrauch allerdings lieber mit als ohne.

Dieser Beitrag ist kein Produkttest, und auch kein flammender Appell, ja kein Wasser in Plastikflaschen mehr zu kaufen - sondern ein persönlicher Bericht. Es geht darum, welche Gedanken ich mir gemacht habe, er enthält eine kleine nicht-repräsentative Umfrage, und die Erkenntnis, dass viele nicht-technische Überlegungen ebenfalls eine Rolle spielen . 

Nachhaltigkeit hat viel mit Umwelt zu tun, und eben auch mit Lebensstil und den Menschen.


Da wir vorhaben, zukünftig Auto-frei zu leben, ist die Frage, wie das köstliche Nass ins Haus kommen soll. Und natürlich möchte ich die Umweltbelastung durch den Transport von Wasser reduzieren. Dabei geht es um den Transport von der Quelle zum Abfüllort, in Groß- und Einzelhandel, nach Hause und bei Pfandflaschen wieder zur Sammelstelle (oder zur Deponie). Eine Variante, in der die Klima gut schont, ist: Trinkwasser aus dem Wasserhahn, und bei Bedarf aufgesprudelt.

Es gibt diverse Ökobilanzen von den unterschiedlichen Varianten von Trinkwasser mit und ohne Sprudel: von Wasser "ohne nix" direkt aus dem Hahn, Trinkwasser aufgesprudelt, gekühlt oder abgekocht, Glasflaschen im Pfandsystem, PET-Flaschen in Einweg oder Mehrweg, Wasser im Karton, und so weiter. Im Internet wird man viele Varianten finden. Meine persönliches Aha-Erlebnis hatte ich bei einem Vortrag eines Herrn aus dem baden-wüttenbergischen Innenministerium, der sagte, dass PET und Glas in Deutschland fast gleich gut recyclt werden, bei Glas aber mehr Energie für die Wiederaufbereitung und den Transport notwendig ist. Noch weniger Energie ist nötig, wenn die Behälter größer sind (Karton, z.B. bei Wein ist da ja recht viel drin), oder wenn der Behälter selbst wieder verwendet wird. Hier kommen das Trinkwasser aus dem Wasserhahn und die Wassersprudler ins Spiel.

Neben den rein ökologischen Aspekten spielen bei der Wahl ob Glas, Plastik oder Sprudler noch andere Gesichtspunkte eine Rolle. Wenn ich unterwegs bin, finde ich Plastikflaschen sehr praktisch - sie sind leicht und fast unkaputtbar. Wenn es jetzt keine Wegwerf-Flasche ist, sondern ich ein und die selbe Flasche öfter benutzen kann, ist es auch umweltfreundlich. Dabei ist allerdings auch wichtig, wie gesund und hygienisch das ganze ist - Plastikflaschen muss man bei mehrfacher Benutzung gut spülen, und die Spülmaschine überleben die meisten nicht gut. Es gibt auch diverse Diskussionen, ob Weichmacher in Plastikflaschen drin sind oder nicht.




Für das Wasser zu Hause ist für mich noch der subjektive Eindruck wichtig, dass Wasser aus der Plastikflasche nicht so gut schmeckt wie aus dem Glas. Und Wasser muss ja nicht immer pur sein, mit Obst schmeckt es auch gut und sieht noch interessant aus.




Bei Wassersprudlern gibt es viele Varianten. Die günstigere benötigt Plastikflaschen in guter Qualität, schließlich wird beim Aufsprudeln mit einigem Druck gearbeitet. Damit sind für diese Flaschen die Spülmaschine tabu: selbst wenn das Wasser nur 40 Grad heiß ist, verformt der Trockenvorgang die Flasche und damit passt sie eventuell nicht mehr an den Sprudler. Die anderen beiden Aspekte von Plastikflaschen habe ich ja schon angesprochen: den Geschmack und die Hygiene.

Die teurere Variante der Wassersprudler verwendet Glasflaschen. Die sehen auch gut aus (ich versuche jetzt keine Werbung zu machen, zeige Euch die Flaschen aber trotzdem).



Diese Flaschen kann man gut in den Kühlschrank und auf den Tisch stellen. Sie sind allerdings kleiner, ca. 0,6 Liter.

Damit komme ich jetzt zu meiner nicht-repräsentativen Umfrage im Familien- und Freundes-Umfeld, natürlich leicht anonymisiert:
  • Person 1 findet 0,6 Liter Flaschen viel zu klein. Selbst die 1 Liter-Flasche ist zu klein. Ideal wären 1,5l oder 2l Flaschen. Sonst muss Person 1 so oft zum Sprudler gehen.
  • Person 2 trinkt meist Saft-Schorle ohne Sprudel. Die Plastikflaschen sind eher unschön, die Glasflasche ist schon schick. Person 2 würde Gästen aber immer selbst gesprudeltes und gekauftes Wasser aus der Flasche anbieten.
  • Person 3 trinkt meist ungesprudeltes Wasser, fand früher aber selbst gesprudeltes Wasser "hart". 
  • Person 4 sprudelt Wasser selber auf, und benutzt Plastikflaschen. Wasser aus Glasflaschen schmeckt besser, ein doppelt so teurer Sprudler wäre unrentabel. Die Plastikflaschen werden regelmäßig gründlich gereinigt und zum Ablaufdatum entsorgt.
  • Person 5 sprudelt Wasser selber auf, und fügt Zitronen- oder Limettenkonzentrat zu. Der Sprudler braucht Plastikflaschen.
  • Person 6 bevorzugt selbst aufgesprudeltes Wasser aus Glasflaschen, ärgert sich dass er zuerst so geizig war, den Sprudler mit Plastikflaschen zu kaufen und damit zwei mal gekauft zu haben, und benutzt unterwegs Plastikflaschen, weil es bequem ist. Person 6 bin ich.

Mein Fazit: Es kommt auf die Leute drauf an.
Eine pauschale Aussage, dass Einweg- oder Mehrwegflaschen ökologisch schlecht sind, verkennt, dass unterschiedliche Leute unterschiedliche Vorlieben und Bedürfnisse haben, und damit unterschiedliche Verhaltensweisen. Was letztendlich die beste Lösung ist, muss im Gesamtzusammenhang betrachtet werden, der die unterschiedlichen Verhaltensweisen berücksichtigt. 
Muss jetzt jeder Ökobilanzen aufstellen, um Umwelt- und klimabewusst leben zu können? Nein. Wenn jeder sein Verhalten anschaut, und dann die Auswirkungen auf seine Bedürfnisse und auf die Umwelt berücksichtigt, und zum Schluss eine Prise gesunden Menschenverstand einsetzt, haben wir eine gute Lösung gefunden.

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