Mittwoch, 23. April 2014

Klimawandel - Teil 2: was tun?

Im ersten Teil habe ich beschrieben, was der Klimawandel ist. Hier geht es darum, was wir tun können.

Wie schon beschrieben, geht kurzfristig nicht viel: die Treibhausgase sind recht langlebig, und bleiben etwa 100 Jahr erhalten. Wenn wir heute etwas ändern, wirkt sich das erst später aus. Allerdings gilt auch umgekehrt: wenn wir jetzt nicht anfangen, wird es sehr hart, später das Ziel von maximal 2 Grad Erwärmung einzuhalten.



Das IPCC hat im April 2014 im Rahmen des fünften Berichts veröffentlicht, welche Handlungsmöglichkeiten wir haben.

Dieses Dokument ist auch in seiner Zusammenfassung sehr ausführlich. Ich möchte hier zum einen noch mal ein paar grundsätzliche Zahlen und Fakten aufführen, um die Wirksamkeit die eigenen Handlungsmöglichkeiten einschätzen zu können.

Nochmal Klimawandel: Wer erzeugt was?

Die grössten Quellen der Weltweiten Treibhausgas-Emissionen (Stand 2010) sind:
  • 35%: Energiesektor, vor allem in den einkommensstarken Ländern
  • 24%: Land- und Forstwirtschaft und andere Landnutzungen, vor allem in einkommensschwachen Ländern 
  • 21% Industrie
  • 14% Transport 
  • 6% Gebäude  
Im Vergleich mit vorherigen Dekaden sind die globalen Emissionen zwischen 2000 und 2010 noch einmal deutlich angestiegen.

Eine schöne grafische Darstellung gibt es von der ASN Bank und der Beratungsfirma Ecofys - sie ist allerdings immer noch komplex.

http://www.ecofys.com/files/files/asn-ecofys-2013-world-ghg-emissions-flow-chart-2010.pdf 

Meine  Erklärung und Auswertung:
  • Treibhausgase kommen zu 65% aus der Verbrennung fossiler Treib- und Brennstoffe. Die Industrie und Mobilität haben hier die Löwenanteile, Heizen von Privathaushalten sind aber auch über 10%. Das Umweltbundesamt sieht diesen Anteil für Privatpersonen noch höher (siehe nächste Grafik).
  • 15% der Treibhausgase sind Methan, davon die Hälfte aus der Landwirtschaft, der Rest aus Mülldeponien und Energieerzeugung 
  • 15% der Treibhausgase kommen aus der Mobilität, Flugreisen machen des gesamten Verbrauchs 1% aus. Das Umweltbundesamt sieht diese Teile noch höher.

Eine einfache Darstellung, auch passender für den privaten Bereich, mit ähnlichen Zahlen, kommt vom Umweltbundesamt:

Aus: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/klimaneutral-leben


Das waren die Zahlen. Dann kommen wir zum spannendsten Punkt:

Was können wir tun?


Zuerst einmal möchte ich klären, wen ich mit wir meine: Nämlich uns als Privatpersonen. Jeder einzelne kann für sich selbst etwas zur Erhaltung des Planeten für uns und die nächsten Generationen tun, durch seinen Lebensstil und seine politische Aktivitäten.
Wenn Sie als Einziger Ihren Lebensstil umstellen und CO2 vermeiden, dann beruhigen Sie Ihr Gewissen, weil Sie etwas getan haben, um das Leben Ihrer Kinder und Enkel lebenswerter zu machen. Wenn das viele tun, dann können wir einiges bewegen - die Macht des Geldbeutels von vielen kann die Industrie und die Politik spüren.

Ein Lebensstil, der für den Planeten gut ist und mit dem jeder etwas gegen den Klimawandel  tun kann, ist:

  • sich bewusst werden, welche Konsequenzen unser heutiger Lebensstil, unser Konsum, und unsere Mobilität für uns und die nächsten Generationen haben.

    Beim Thema Klimawandel empfehle ich, 
    • sich einzulesen (im ersten Teil habe ich einige Quellen genannt)
    • die eigene CO2 Bilanz aufstellen.
      Der CO2-Rechner des Umweltbundesamtes ist sehr aktuell und komfortabel. Da kann sich sehr schnell herausstellen, dass die allgemeine Aufteilung, über die ich oben gesprochen habe, für einen selber gar nicht gilt: 

meine CO2 Bilanz 2013 -
Flugreisen und Auto hauen rein


  • CO2 vermeiden
    • Beim Thema Energie: jeder kann für sich auf Ökostrom umstellen. Das macht laut Umweltbundesamt zwar nur 7% der CO2 Emissionen aus, aber hier kann man sofort etwas tun - das ist ohne viel Bürokratie in weniger als einer Stunde erledigt. Dabei ist für mich sekundär, ob der Ökostrom aus Deutschland kommt oder sonst wo aus Europa. Wichtig ist, dass der Anbieter ein entsprechendes Zertifikat hat - also dass wirklich der Strom so klimaneutral wie möglich ist. Natürlich wären erneuerbare Energien in Deutschland oder noch besser in der eigenen Region ideal.
    • Informieren, was geht: Die Broschüre des Umweltbundesamtes zum Thema "Klimaneutral Leben" hat ein paar Beispiele, welcher Lebensstil was bedeutet. 
    • Investieren. Denken Sie jetzt gleich an Prokon, die jahrelang für saubere und hochverzinsliche Anlagen geworben haben, und dann in Geldschwierigkeiten steckten? Das ist sicher ein Beispiel dafür, was man nicht tun sollte: Spekulieren. Was macht Ihre Bank mit Ihrem Geld? Ich will Ihnen jetzt keine Bank direkt empfehlen, aber es gibt Banken, die offenlegen, in was sie investieren. Dabei sind auch solche, die in CO2 Vermeidung investieren.
    • Gerade beim Thema Mobilität: da gibt es - Zeit und gutes Wetter vorausgesetzt - auch CO2-neutrale Fortbewegungsmethoden: Spazieren gehen, Radl fahren. Natürlich fährt man nicht täglich zur Arbeit, wenn man lange Strecken pendelt, aber es gibt Gelegenheiten dazu - nutzen Sie sie!

  • CO2 reduzieren 
    • Wenn sich das jetzt nach Verzicht anhört, und Sie das Gesicht verziehen wollen: das kann ich verstehen. Ich bin ein Genussmensch. Ich kann mich von Angewohnheiten schlecht trennen, ob sie nun schlecht für mich oder für den Planeten sind. Das erfordert eine entsprechende Überwindung.
      Aber mein Motto hier ist ja "pragmatische Nachhaltigkeit": Wir müssen nicht morgen komplett CO2 frei sein. Wir sollten das Ziel vor Augen haben, und öfter mal daran denken, und bitte möglichst bald den ersten Schritt tun. Und dann, sobald das möglich ist, den zweiten. Und so weiter.



    • Der Genuss ist allerdings eine Möglichkeit, CO2 zu reduzieren: Wenn ich mir bewusst bin, was viel CO2 erzeugt (Rindersteaks, Urlaubsflüge, oder anderes), kann ich mir das mal gönnen, und (öfter) mal nicht. Das Vergnügen an Fleisch steigt ja nicht, wenn ich jeden Tag ein Steak esse, sondern wenn ich das richtig zelebriere und ohne schlechtes Gewissen genieße, und trotzdem insgesamt CO2 reduziere.
    • Mobilität: mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Car Sharing muss man etwas Bequemlichkeit aufgeben, gewinnt aber Zeit zum Lesen oder für Gespräche.
    • Bei großen Investitionen: Nicht nur auf den Preis, und die Qualität schauen, sondern auch auf den Energieverbrauch. Der entsteht ja nicht nur im Betrieb, sondern auch bei der Herstellung und Entsorgung. Hier geht es um Effizienz, und gerade in der Sanierung unserer Häuser und Wohnungen ist da noch einiges zu holen.

  • CO2 kompensieren
    • CO2 kompensieren heißt, den eigenen CO2 Verbrauch durch Investition in CO2 Reduktion oder Vermeidung bei anderen auszugleichen. Das kennt man vielleicht von CO2-neutralem Transport von Post, oder von CO2-neutralen Blogs wie meinem
    • Meiner Meinung nach ist es am sinnvollsten, nicht nur in CO2 Effizienz zu investieren (schon eher in Vermeidung), sondern auch in alles, was die Biokapazität der Erde verbessert. Ein Beispiel ist Aufforstung. Da gibt es einige Projekte, weltweit und auch vor der Haustür. 
    • Bei der Kompensation gilt, wie bei der Reduktion und Vermeidung: Augenmaß und gesunden Menschenverstand benutzen. Weitere Kriterien werde ich in einem späteren Eintrag genauer darstellen, nur schon mal ein paar Beispiele:
      • Wie teuer ist es, eine Tonne CO2 zu  kompensieren? Zwischen 1 und 30€. Ist das realistisch? Wenn man gegenrechnet, wie teuer es ist, eine Solar- oder Windanlage herzustellen, zu installieren und zu betreiben, wird man auf um Faktoren  höhere Werte kommen. 
      • Welchen Kompensationen kann man trauen? Wird dabei wirklich CO2 eingespart?

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